Daniel Wertheim Tritt als Obmann zurück!

2015-09-18 09:33 von Daniel Wertheim

  

 
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Liebe Olympique-Mitglieder und Freunde,
 
mit diesem Schreiben möchte ich meinen Rücktritt als Obmann des FC Olympique Klosterneuburg bekannt geben. Ich werde zwar jetzt und auch in Zukunft den Verein nicht im Stich lassen und stehe für gewisse Aufgaben weiter zur Verfügung, doch aufgrund einiger Entwicklungen in der Spielgemeinschaft ist es mir nicht mehr möglich, meine volle Energie dafür aufzuwenden.
Ich bitte Euch um Verständnis und um tatkräftige Unterstützung meines Nachfolgers bzw. jener Menschen, die für mich in die Bresche springen!
Bis zur ordentlichen Übergabe bei der nächsten Generalversammlung stehe ich selbst sowie meine Stellvertreter Monika Hingsamer und Georg Duit für Fragen zur Verfügung, auch der laufende Betrieb wird von unserem bewährten Team selbstverständlich aufrecht erhalten.
 
Liebe Grüße
Daniel Wertheim
Obmann, Jugendleiter FC Olympique Klosterneuburg
Vorstandsvorsitzender, Sportdirektor SG Klosterneuburg
 
 

Liebe Olympique-Familie,

hiermit möchte ich meinen Rücktritt als Obmann des FC Olympique Klosterneuburg 05 bekannt geben.
Eigentlich gäbe es im Jahr 2015 genug Anlässe, ausgiebig zu feiern:

>> Der FC Olympique feiert sein 10-jähriges Jubiläum und ist bereits seit einigen Jahren der größte Verein in NÖ.
>> Die Sanierung und Modernisierung des Happylands ist endlich Realität geworden, ein lang verfolgter Traum wurde endlich Realität und die neue Anlage feierte beim Tag des Sports und der Stadioneröffnung seine Feuertaufe.
>> Die erste Saison als „Spielgemeinschaft“ lief sportlich sehr erfolgreich ab. Eine junge Kampfmannschaft, gespickt mit Klosterneuburgern, holte den starken 5. Rang in der Gebietsliga NNW, im Nachwuchs präsentierten sich einige Teams von ihrer besten Seite (wie die U18 in der Landesliga), es gab Meistertitel (U11, U23), Aufstiege (U14, U13 in die Landesliga) und eine Rekord-Anzahl an Turniersiegen.
>> Die Saison 2015/2016, erstmals ganzjährig im neuen Happyland, steht in den Startlöchern. In der Kampfmannschaft sind 20 von 25 Spieler Klosterneuburger oder Eigenbauspieler - auch das war ein jahrelang gehegter Traum von mir. Und diese junge Truppe hat das Potential, die Liga heuer ordentlich aufzumischen. Genauso stehen aber auch im Nachwuchs, allen voran mit der U14 in der Landesliga, viele spannende Spiele bevor und ich bin überzeugt, dass mehr Siege als Niederlagen unterm Strich da stehen werden ;-)!

Doch trotz all diesen erfreulichen Ereignissen, war in den vergangenen Monaten stets der Frust bei mir und den meisten Funktionären im Hintergrund größer als die Freude. Der Grund ist einfach: Durch die Spielgemeinschaft ist nicht nur die „tägliche“ Arbeit um etwa 30% angestiegen, sondern durch ständige Zwischenrufe, Kritik, „Informationspflicht“ und Willkür-Aktionen hat sich die Arbeit, den Verein bzw. die Spielgemeinschaft zu führen, mehr als verdoppelt. Statt einer Sitzung alle zwei Wochen gab es im Schnitt 2 pro Woche, die E-Mail-Flut und Telefonate haben sich vervierfacht. Und wofür? In der Regel nur, um Handlungen, die immer mit der Absicht getätigt wurden, das Beste für den Klosterneuburger (Nachwuchs)-Fußball zu wollen, zu rechtfertigen – und das, obwohl man nur jene Inhalte umsetzt, die im Mai 2014 ausgemacht und vertraglich festgehalten wurden. Leider ist einer der Vertragspartner mittlerweile nicht mehr mit dem glücklich, was er vor einem Jahr ausgehandelt hat und tut nun alles, um diese Spielgemeinschaft ad Absurdum zu führen. Die Folge: der Konflikt schaukelt sich immer mehr hoch, die gegenseitigen Vorwürfe hören nicht auf und emotional befindet man sich längst nicht mehr im rationalen Bereich – denn der würde jedem vernünftigen Menschen sagen, dass der Output dieser Spielgemeinschaft in vielerlei Hinsicht bis jetzt beinahe optimal war.

Doch emotional entfernen sich immer mehr Menschen von dieser Spielgemeinschaft, machen nur mehr „ihr Ding“ und die gegenseitige Hilfe und Unterstützung gibt es oft nur mehr bei lange vorher angekündigten Großereignissen – die tägliche Arbeit hingegen frisst auf und frustriert, da wir trotzdem die Arbeit nicht nur für den eigenen Verein sondern für die SG tun. Andere hingegen versuchen schamlos die hart erarbeiteten Früchte zu ernten und kommen nur zum champagnisieren ins Happyland, anstatt mal selber den Besen in die Hand zu nehmen. Und die Arbeit wird unterm Strich (wie heutzutage oft in Vereinen, aber seit dieser Saison besonders) von einigen wenigen getragen und von viel mehr anderen als Selbstverständlich gesehen.

Noch dazu habe ich in meiner Funktion immer versucht, eine möglichst neutrale und „vernünftige“ Position einzunehmen – ohne natürlich meine Ideale und die ausgemachten Rahmenbedingungen dieser Spielgemeinschaft außen vor zu lassen. Die Folge war trotzdem meistens, dass es Kritik und unzufriedene Gesichter von beiden Seiten gab – „im Kreuzfeuer“ ist gar kein Ausdruck dafür. Das gibt zwar eine Zeit lang sogar mehr Kraft, um sich dagegen zu wehren – doch als Dauerzustand macht es unglaublich müde. Ich habe in den Monaten Mai und Juni 2015 (Happyland-Eröffnung, 10 Jahres Feier, Stadioneröffnung, Planung der nächsten Saison) wöchentlich zwischen 45 und 85 Stunden für die Spielgemeinschaft investiert. Auch in den restlichen Wochen des Jahres waren es selten unter 40 Stunden/Woche. Dies habe ich gerne gemacht, hatte jedoch auch privat und beruflich verständliche Folgen. Mit jedem „negativen Ereignis“ schwirrte jedoch auch die Frage: „Wozu das Ganze?“ lauter in meinem Kopf herum.

Der Gipfel war dann noch eine Sitzung im Rathaus, wo es um Budgetfragen ging, jedoch keiner der „Schiedsrichter“ sich mit den eigentlichen Zahlen beschäftigte. Noch dazu müssen wir uns nun dafür rechtfertigen, dass in der Saison 2014/15 aufgrund von viel persönlichem Einsatz unserer Mitglieder und kräftiger Unterstützung unserer Sponsoren gut gewirtschaftet und positiv bilanziert wurde. Dies wird jetzt von einigen Leuten sogar als Vorwand genutzt, um gezielt gegen diese gute Arbeit vorzugehen und diese zu unterminieren. Es ist klar, dass die wenigsten Politiker den „Fehler“ machen werden, in solch aufgeheizten Konflikten Partei zu ergreifen. Doch wenn unterm Strich jahrelange Arbeit dann am Verhandlungstisch genau den gleichen Stellenwert hat, wie präpotente, ignorante und inkompetente Schaumschlägerei, dann läuft irgendetwas schief. Wenn Fakten, Zahlen und Verträge zwar am Tisch liegen, aber nicht einmal durchgesehen werden, dann verliert man den Glauben an jemanden, der in einem Konflikt schlichten könnte.

Die Frage „Wozu das Ganze?“ konnte ich für mich bisher immer mit guten Argumenten beantworten. Und es ist klar, dass ich mit meinem Rücktritt die Menschen, die mich in den letzten Jahren am tatkräftigsten unterstützt haben am meisten treffen werde, denn diese werden in der nächsten Zeit einen großen Teil meiner Arbeit „zugeschoben“ bekommen, auch wenn sie oft selbst schon am Limit mit ihrem Einsatz für den Verein sind und gar keine Kapazitäten mehr dafür haben. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen bedanken, die in den letzten Jahren viel, viel Zeit und Energie dafür investiert haben, den FC Olympique und nun auch die SG Klosterneuburg zu dem zu machen, was sie sind. Und zwischen Frustration und Konflikten darf man nicht vergessen oft genug zu betonen, wie sensationell der Idealismus und das Engagement einiger Funktionäre, Trainer, aber auch Spieler und Eltern in Klosterneuburg war und ist.

Das ist auch der Grund, warum ich weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen werde und, sofern gewünscht, als Sportdirektor und einfaches Vorstandsmitglied weiter einen gewissen Input liefern kann. Ich stehe jedoch ab sofort nicht mehr für jede Kleinigkeit 24 Stunden zur Verfügung: Flyer austeilen, Sponsoren auftreiben, Boden in der Kantine aufwischen, mit der Politik verhandeln, Bierkisten schleppen, Homepage oder Facebook betreuen, Konflikte schlichten, verlorene Schlüssel suchen, 1000 telefonische Anfragen beantworten, Eintrittsgelder kassieren, die Baustelle im Happyland mitkoordinieren, Budgetverhandlungen führen und viele Dinge mehr werde ich einfach aus meinem Arbeitsalltag streichen – aber vor allem möchte ich mich nicht mehr mit künstlich entstandenen und unnötigen Konflikten betreffend der SG herumschlagen.

Über den Sommer habe ich mich dazu entschlossen, meine „Arbeitskraft“ anders einzusetzen. Dieser Schritt war kein lange geplanter, sondern eher eine kurzfristige Entscheidung, da das Verhältnis zwischen Input an Energie und Output einfach nicht mehr gepasst hat und ich es einfach satt habe, im „SG-Kreuzfeuer“ ständig um Diplomatie bemüht sein zu müssen. Dies kann sich vielleicht unter geänderten Bedingungen wieder ändern – derzeit steht aber mein Entschluss fest.

Ich bedanke mich dennoch bei vielen Menschen, die den Verein bzw. die SG immer unterstützt haben und wünsche meinem Nachfolger alles Gute! Jetzt geht es darum, aktiv zu werden und Solidarität mit dem FC OK zu zeigen, wenn Ihr mit unserer Arbeit bisher zufrieden wart! Vielleicht finden sich ja nun ein paar mehr Idealisten, die unseren eingeschlagenen Weg weiter unterstützen können – Bedarf gäbe es genug!

In diesem Sinne: Man sieht sich wieder am Fußballplatz – wenngleich nicht mehr ganz so oft !

Liebe Grüße
Daniel Wertheim
Obmann, Jugendleiter FC Olympique Klosterneuburg
Vorstandsvorsitzender, Sportdirektor SG Klosterneuburg
wertheim@fc-ok.at
 
 
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